Zeit zählt: Die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina 2026

Glance collection 2026

Interview mit Langläufer Giovanni Ticcò

Langlaufen erfordert Belastungsfähigkeit, harte Arbeit und Strategie: Wie teilst du dir die lange Wettkampfzeit ein?

Zum Training braucht es vor allem Leidenschaft für den Sport – außerdem muss man bereit sein, Tag für Tag viel Zeit im Freien zu verbringen. Gerade vor einigen Tagen habe ich mit (Langlaufweltmeister, Anm. d. R.) Federico Pellegrino darüber gesprochen, wie man die eigene Leistung weiter steigern kann. Dabei kam auch der Wert der Zeit – vor allem bei der Vorbereitung – zur Sprache. Eine große Rolle spielt zweifellos die Vorarbeit, die im Sommer vor allem auf mentaler Ebene geleistet wird. Alle Sportlerinnen und Sportler trainieren, aber wer wie Federico an der Weltspitze steht, leistet im Vergleich eine ganz andere „Kopfarbeit“. Ich merke auch bei mir selbst, dass der Sommer die ideale Zeit ist, um mich mental gut auf die Wettbewerbe im Winter vorzubereiten: So wird der Wettkampf zur natürlichsten Sache überhaupt. Es ist wunderbar, wenn man sich bewusst wird, dass man sich Tag für Tag verbessert – das gibt die nötige Sicherheit, um die Rennen im Winter gelassen und selbstbewusst anzugehen.

Im Wettkampf spielt Strategie eine wichtige Rolle: Wie entscheidest du, wann du entlang der Strecke beschleunigst und wann du Energie sparst?

Viel hängt vom Format des Rennens, vom Wetter und der Piste ab. Eine gute Strategie berücksichtigt verschiedenste Aspekte, etwa auch den Zustand des Materials, das stets auf die bestmögliche Performance ausgerichtet sein muss. Auch die körperliche Verfassung spielt eine wichtige Rolle. Man muss versuchen, 100 % des Tages und jede verfügbare Minute voll auszuschöpfen: Dabei muss man keineswegs an seine Grenzen gehen und das Extreme suchen – wenn man es schafft, seine Zeit bestmöglich zu nutzen, ist das bereits ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Wie wichtig ist es beim Training, die nötige Zeit für Erholung und Entwicklung zu kennen?

Extrem wichtig, denn ich habe von Anfang an eine konstante Verbesserung angestrebt. Dabei noch die nötige Zeit für Erholung einzuplanen, ist nicht immer einfach: Man neigt dazu, die Trainingszeit ständig zu steigern. Das richtige Gleichgewicht zwischen Training und Erholung ist aber eine Grundvoraussetzung für Höchstleistungen.

Was bedeutet es für dich, die Olympischen Spiele in deiner Heimat Trentino erleben zu dürfen – einem Gebiet, das traditionell mit Natur und Sport wirbt?

Die Olympischen Spiele begleiten mich seit meiner Kindheit – wohl auch, weil mein Großvater seinerzeit mit dabei war. Dass ich nun selbst antreten werde, habe ich noch gar nicht verarbeitet. Die Olympiaden sind tatsächlich der Olymp der Sportwelt – das geht weit über jede andere Wettkampferfahrung hinaus. Ich weiß nicht, wie viele Sportlerinnen und Sportler der Welt von sich sagen können, sie hätten praktisch „zu Hause“ an einem solchen Weltevent teilgenommen – an Orten, die man seit der Kindheit bestens kennt. Das ist ein einmaliges Gefühl. Für das Trentino und die übrigen beteiligten Gebiete bedeuten die Spiele internationale Sichtbarkeit, ganz wie bei der Ski-WM oder der Marcialonga, die regelmäßig bei uns stattfinden. Ich denke, die Olympischen Spiele werden jede Erwartung übertreffen. Wenn ich durch die Weltgeschichte reise und erzähle, wo ich herkomme, kann ich den Stolz auf meine wunderbare Heimat kaum verbergen.